Theoretische Grundlagen der Entfeuchtungstechnik

 

Luft ist ein Gasgemisch, welches Wasserdampf als gasförmige Phase des Wassers enthält.

 

Das Luft/Wasserdampfgemisch ist eine Art Lösung, in der - vereinfacht ausgedrückt - die Luft das Lösungsmittel für das Wasser darstellt.

 

Die Luft steht permanent in Wechselwirkung mit dem feuchten Bauteil.

 

Die meisten Baustoffe enthalten hygroskopisch wirkende Substanzen, die Wasser aus der Luft "anziehen". Beschreibt man den Wasseranteil in der Luft, spricht man von der Luftfeuchte.

 

Die Luftfeuchte ist kein konstanter Wert. Deshalb können Veränderungen einzelner Klimaparameter wie Temperatur, Volumen oder Luftdruck nie isoliert betrachtet werden.

 

Bei Temperaturänderungen ändert sich deshalb bei konstanten Verhältnissen auch immer entweder das Volumen, der Luftdruck oder beides.

 

Die für die Bauphysik wichtigsten Luftfeuchtewerte, die auch die Feuchtezustände betreffen, sind die absolute Luftfeuchte, die relative Luftfeuchte, der Wasserdampfpartialdruck, die Lufttemperatur und der Taupunkt.

Absolute Luftfeuchte

 

Die absolute Luftfeuchte ist das Verhältnis von Wassergehalt pro Luftvolumen und wird in Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft angegeben.

 

Veranschaulichend und stark abstrahiert kann man sagen, wenn man die Raumluft mittels eines Bautrockners entfeuchtet, dass die absolute Luftfeuchte ein kleiner Teil der Wassermenge ist, die sich im Auffangbehälter ansammelt.

 

Ist durch die Trocknung die relative Feuchte von 90% auf 70% gesunken und im Auffangbehälter 10 Liter Wasser, sind diese 10 Liter die absolute Feuchtigkeitsmenge, um die relative Feuchtigkeit um 20% zu reduzieren.

Relative Luftfeuchte

 

Die relative Luftfeuchte ist das Verhältnis des Wasserdampfanteils, den die Luft tatsächlich hat, zum Wasserdampf, den die Luft unter dieser Temperatur maximal aufnehmen könnte.

 

Wenn die Raumluft eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 % hat, ist in ihr genau die Hälfte der maximal möglichen Wassermenge gelöst.

 

Bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit ist die Luft vollständig mit Wasserdampf gesättigt.

 

Wird die Sättigung von 100 % überschritten, so schlägt sich die überschüssige Feuchtigkeit als Kondenswasser bzw. Nebel nieder.

Der Taupunkt

 

Der Taupunkt ist eine Temperaturgrenze, bei deren Unterschreiten die Luft die Sättigungsgrenze von 100 % r.F. erreicht bzw. überschreitet und deshalb das in ihr gelöste Wasser in Form von Nebel oder Kondensat an feste Materialien abgibt. In der Baupraxis spielt der Taupunkt eine wichtige Rolle.

 

(Die Taupunkt-Temperatur ist die Temperatur, bei der das Wasser vom gasförmigen zum flüssigen Zustand übergeht!)

 

Oftmals ist die Sättigungsgrenze der Raumluft zwar noch nicht erreicht, die Wände oder Estrichflächen jedoch haben Temperaturen unterhalb der für diese Raumluftverhältnisse liegenden Sättigungsgrenze.

 

In bestehenden Gebäuden entstehen Kondenswasserschäden durch Taupunktunterschreitung einerseits durch falsche Lüftungsgewohnheiten, andererseits in den Wintermonaten, wenn Bauteile - meistens Außenwände zur Nordseite - durch ungenügende Wärmedämmung Temperaturen unterhalb des für die herrschende Raumluftfeuchte liegenden Taupunktes erreichen.