Lehm als Baustoff

 

Wie der Werkstoff Lehm besteht Lehmputz aus Ton, Sand und Feinstsanden.

Lehmputze trocknen nur durch Verdunstung von Wasser und haften allein durch mechanische Verkrallung am Untergrund.

Die Tonbestandteile wirken dabei als Verbund bzw. als „Klebstoff".

Daneben bestimmen verschiedene Beigaben den Einsatz des Putzes:

Dekorputzen werden teilweise Pigmente beigemischt. Zur Abschirmung hochfrequenter, elektromagnetischer Strahlung mischt ein Hersteller dem Lehmputz haarfeine Karbonfasern bei.

 

Lehmputz ist wasserlöslich. Hinsichtlich seiner Einsatzbereiche als Baustoff vor allem im Außenbereich ist er damit in unseren niederschlagsreichen Breiten Einschränkungen unterworfen. In Innenräumen überwiegen eindeutig die Vorteile, die Lehm als Baustoff aufweist.

Zudem sind Haltbarkeit und Wertbeständigkeit bei Innenputzen keine Frage dessen, ob das Material wasserlöslich ist oder nicht. Vielmehr müssen dünnschichtige Putzsysteme hart austrocknen, um ein „Absanden“ zu vermeiden. Lehmputz trocknet nur durch die Verdunstung von Wasser.

 

Einige Hersteller unterstützen die hohe Bindekraft, die Lehm als Rohstoff bereits aufweist, zusätzlich durch die Beigabe von Pflanzenstärke.

Und wie auch bei anderen Baustoffen (Zement, Beton) sorgt eine ausgewogene Sieblinie für eine widerstandsfähige, harte Oberfläche von hoher Festigkeit.

 

 

 

Lehmputz und Raumklima

 

Mit gesundem Raumklima ist – neben „sauberer Luft“ – die sogenannte Raumluftfeuchte gemeint. Diese sollte zwischen 40 und 60 % liegen.

„Trockene Luft“ (weniger als 40 % Raumluftfeuchte) reizt Hautoberfläche und Schleimhäute und macht sie anfälliger gegen Attacken von Erregern und Mikroben. Ebenso sind mehr als 70 % Raumluftfeuchte zu vermeiden. Zu feuchte Luft (> 70 %) fördert die Schimmelbildung im Raum und wird auch vom Bewohner als unangenehm empfunden.

 

So wirken sich grundsätzlich alle Wandbeschichtungen auf das Raumklima aus: Diffusionsoffene, also „durchlässige“ Beschichtungen (diffusionsoffene Baustoffe), wirken positiv, weil dahinter liegende Wandschichten Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können.

 

Lehmputze sind extrem diffusionsoffen. Sie stehen im Gegensatz zu sog. „filmbildenden“ Oberflächen, wie Dispersionsfarbe, Latexfarbe o. ä., die keine Feuchte in dahinter liegende Schichten hindurch lassen.

Bauphysikalisch hat Lehm selbst die Eigenschaft, sehr viel Feuchtigkeit aufzunehmen (bis zu neunmal mehr als Gips).

Er wirkt dadurch wie ein Klimapuffer an der Wand, der Feuchte aufnimmt und sie bei Bedarf wieder abgibt.

Für die Menge der Feuchtigkeit, die eine Wand mit Lehmputz aufnehmen kann, liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die praktische Erfahrung zeigt jedoch, dass hier die Größe der mit Lehm beschichteten Oberfläche das wichtigste Kriterium ist.

 

Die Lehm-Schichtstärke ist dagegen für die Klimapufferwirkung bei der Nutzung von Räumen hierzulande von nachrangiger Bedeutung. Denn mehr als 80 % der Feuchtigkeit wird zunächst in den oberen zwei Millimetern der Lehmwand gebunden. Und lediglich 10 mm sind bei „normalem Wohnverhalten“ für die „Klimapuffer-Wirkung“ überhaupt relevant, da die Reaktionsfähigkeit starker Putzlagen (> 2 mm) zu träge ist, um überhaupt auf die ständig wechselnden Bedingungen hinsichtlich der Raumluftfeuchte reagieren zu können.

 

Beobachtungen zeigen, dass selbst in relativ kleinen Bädern (ca. 12 m²) Spiegel nach dem Duschen nicht mehr beschlagen, wenn Wände und Decke – mit Ausnahme des direkten Spritzwasserbereiches - mit 1,5 mm dünnem Lehmputz an der Oberfläche beschichtet sind.

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